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Dingley Hall

15 Räume, 52 Puppen und mehr als 1000 Zubehörteile:
das englische Puppenhaus "Dingley Hall"
Seit dem 10. September 2005 ist in Soltau das wohl bedeutendste Puppenhaus des 19. Jahrhunderts zu sehen. Mit "Dingley Hall" gelang der in mehrfacher Hinsicht größte Ankauf in der Geschichte des Spielmuseums: Drei Meter in der Breite und zwei Meter in der Höhe misst das Puppenhaus, das bei Christie's in London für 190.000 € ersteigert werden konnte.

Eine eigens entwickelte Spezialvitrine eröffnet jetzt eine einzigartige Doppelperspektive auf die Fassade und die Räume des Hauses. So läßt sich die Miniaturwelt von innen und außen aus nächster Nähe erkunden. Die imposanten Ausmaße und die aufwendige, detailreiche Ausstattung machen "Dingley Hall" zu einem Besucherereignis.

1875 begannen Laurence und Isaac Currie, die damals acht- und zwölfjährigen Söhne einer englischen Bankiersfamilie, Regalfächer mit kleinen Möbeln und Bildern zu dekorieren. Bald wuchs aus zunächst sechs Puppenzimmern ein herrschaftliches Anwesen mit einer repräsentativen Fassade und fünfzehn prächtigen Räumen. Vom japanischen Salon bis zur katholischen Hauskapelle, von der Bibliothek bis zur Küche ergeben sie einen faszinierenden Mikrokosmos. Über 1000 Einrichtungsgegenstände verleihen dem von gut 50 Puppen bevölkerten Haushalt europäischen Zuschnitt: Golddruckmöbel aus Waltershausen stehen neben seidengepolsterten Sitzgruppen aus Paris, Glasleuchter aus Venedig funkeln über englischen Kaminen.
Besonders beeindruckend ist die Bilderfülle in den meisten Räumen. Jedes Zimmer hat sein eigenes Bildprogramm mit wohlüberlegter Hängung. Zum Beispiel finden sich im Puppenhaus zwei auf Elfenbein gemalte Porträtminiaturen aus der Zeit um 1700 und ein winziges Ölbild mit einer Seeszene. Neben Kunstwerken spielen Bücher eine wichtige Rolle: Wie in einer richtigen Bibliothek lassen sich in "Dingley Hall" fast alle Bände Seite für Seite betrachten bzw. lesen; das Spektrum reicht von Photoalben über Dantes "Göttliche Komödie" bis zu Bibeltexten.
Der Einbau einer eigenen Puppenhaus-Kapelle verweist auf den hohen Stellenwert von Glaubensfragen in der Familie: Die Mutter der beiden Jungen war zum katholischen Glauben konvertiert; ihr Mann ließ für sie auf den Landsitzen Privatkapellen errichten. Für die Brüder eröffnete die Puppenhauskapelle die Möglichkeit, sonntags Sonntag zu spielen: Mit kleinen Meßgeräten konnten sie selbst Gottesdienste feiern und mit unterschiedlich farbigen Talaren und Altarbehängen den Verlauf des Kirchenjahres mitvollziehen.

Während Vater und Großvater sich im großen Stil als Kunstsammler und Bauherren betätigten, folgten Laurence und Isaac diesem Beispiel frühzeitig im verkleinerten Maßstab. Als angehende Finanzexperten listeten sie in einem vierzigseitigen Inventarverzeichnis nicht nur jeden Einrichtungsgegenstand mit Quelle und Preis auf, sondern stellten auch Kosten-Ranglisten der einzelnen Räume auf. - In der Familie galt das Puppenhaus übrigens eindeutig als Jungensache ("a boy's thing"), Mädchen durften nicht damit spielen.

"Dingley Hall" entstand auf einem Landsitz der Curries vor den Toren Londons. Nach einem historischen Foto wurde es in den letzten Monaten möglichst exakt so eingerichtet, wie es 1908 an seinem ursprünglichen Standort zu bewundern war.

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