Die Sammlung
Die Sammlung des Spielmuseums wurde in vierzig Jahren von Hannelore, Antje und Mathias Ernst zusammengetragen. Im Zentrum stehen exemplarische spielzeug- und kindheitsgeschichtliche Objekte, die sich familienoriginal erhalten haben und einen vielfältigen Kontext aufweisen.
Das älteste Stück - ein Verwandlungsspiel mit Marienglasscheiben - entstand um 1647, die jüngsten Exponate sind erst wenige Jahre alt. Eine besondere Stärke des Museums bilden in Mitteleuropa produzierte Spielzeuge aus der Zeit zwischen 1750 und 1900. Da die deutsche Spielwarenindustrie ab 1820 - bis zum Ersten Weltkrieg - den Weltmarkt dominierte, erschließen sich von hier aus weitreichende internationale Perspektiven; bezeichnenderweise wurden viele Sammlungsstücke in Frankreich, Großbritannien und Nordamerika erworben.
Die Bestände umfassen das ganze Spielzeugspektrum: von der Stumpfdocke bis zum Teddybären, vom Schaukelpferd bis zum Blechauto. Im Folgenden möchten wir Ihnen einige Schwerpunkte vorstellen, die dem Museum ein einzigartiges Profil verleihen:
Dingley Hall
15 Räume, 52 Puppen und mehr als 1000 Zubehörteile:
das englische Puppenhaus "Dingley Hall"
Seit dem 10. September 2005 ist in Soltau das wohl bedeutendste Puppenhaus des 19. Jahrhunderts zu sehen. Mit "Dingley Hall" gelang der in mehrfacher Hinsicht größte Ankauf in der Geschichte des Spielmuseums: Drei Meter in der Breite und zwei Meter in der Höhe misst das Puppenhaus, das bei Christie's in London für 190.000 € ersteigert werden konnte.
Familienspielzeug
Das Spielmuseum versucht, komplexe Objektgruppen, die jeweils die Spielwelt einer Familie repräsentieren, geschlossen zu erhalten und vielseitig zu dokumentieren.
Puppen und ihre Kleidung
Originale Garderoben zeichnen die Puppenkollektion aus, die am Anfang aller Sammelaktivitäten stand. Die Bandbreite reicht von einer kindlichen Holzpuppe (um 1700), die ein Kleid mit Gängelbändern trägt, bis zu einem Celluloidpaar im 20er-Jahre-Partnerlook. Ein weiterer Akzent liegt auf unterschiedlichen Materialien, Hautfarben und Gesichtsausdrücken, wie sie nach 1900 ins Spiel kamen; sehr reizvoll sind z.B. Künstlerpuppen aus Stoff sowie Mehrgesichterpuppen mit Porzellanköpfen.
Puppenstuben
Als Mikrokosmen wirken original ausgestattete Stuben und Häuser, die im Miniaturformat z.B. alltagsgeschichtliche Veränderungen reflektieren; die Spielküchen des Museums (1780 bis 1960) veranschaulichen u.a. den Übergang vom offenen Feuer zum E-Herd.
Bauereien und Spielzeugtiere
Die Erzgebirge-Abteilung glänzt mit Aufbauspielen, sogenannten "Bauereien": Fast alle Typen und Themen - vom Bauernhof bis zur Stadt, vom "Jahrmarkt" bis zum Zoologischen Garten - haben sich in frühen und qualitativ hochwertigen Versionen eingefunden. Außerordentlich reizvoll sind u.a. eine Arche Noah und eine Menagerie (1840 bis 1870).
Papierspielzeug
Die vielfältigen Verwendungs- und Verwandlungsmöglichkeiten von Papier motivierten den Aufbau einer Spezialsammlung, die mit Unikaten wie einem Augsburger Puppenhausbuch von 1783 eine internationale Spitzenposition erreicht hat. Neben Ankleidepuppen und Pendelfiguren nehmen v.a. Papiertheater und Aufstellbücher, Modellierbögen und Baukästen, Würfel- und Wurfspiele einen breiten Raum ein; den meisten Platz benötigt eine österreichisch-ungarische Militärparade mit 1200 Soldaten (um 1870).
Steiff-Szenen
Zu den berühmtesten Raritäten des Museums gehören vier Schauszenen der Firma Steiff, die um 1910 in geringen Stückzahlen primär für Werbezwecke produziert wurden. Aus einer amerikanischen Zirkusfamilie stammt eine mehr als drei Meter lange Kutsche mit fünf Filzfiguren